Helmuth Lechner

Ich bin 67 Jahre alt und war bisher sehr gesund. Arbeitsbedingt machte mir meine Wirbelsäule mehr oder weniger Schwierigkeiten.

Wenn ich zurückblicke machte sich die TN zu Jahresende 2010 erstmals bemerkbar. Ich war auf TAIWAN im Einsatz und hatte immer beim Trinken attackenhafte Schmerzen im Zahnbereich hinten rechts. Mein Zahnarzt machte als mögliche Ursache den Weisheitszahn rechts oben aus. Da seine Stellung schräg und der gegenüberliegende bereits fehlte, wurde er extrahiert. Die Schmerzen verschwanden bzw. waren so gering, dass es schien, dass das Problem behoben sei. Von TN wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Bei einem anderen Auslandsaufenthalt im Frühjahr 2011 hatte ich wieder starke Schmerzattacken.Das Frühstück im Hotel war der erste Spießrutenlauf, der erste Biss war der reine Horror und eine Kommunikation auf der Baustelle war kaum möglich, denn nach den ersten zwei Worten musste ich innehalten und warten bis die Schmerzattacke abklang. Die Attacken waren jetzt im Kiefer unten rechts. Wieder zurück, ging ich erneut zu meiner Zahnärztin, sie untersuchte alle Zähne und konnte nichts finden. Übrig blieb eine Brücke unten rechts, diese wollte sie auf Verdacht entfernen. Ich gestattete jedoch nur ein kleines Loch zur Überprüfung der Wurzelbehandlung des hinteren Pfeilers. Das Ergebnis war ebenfalls negativ.

Jetzt forderte ich die Zahnärztin auf, sich etwas einfallen zu lassen. Sie gab mir eine Überweisung für die Neurologische Abteilung der Zahnmedizin an der Uniklinik Heidelberg. Als Kassenpatient hatte ich erst in einem halben Jahr Aussicht auf einen Termin. Ersatzweise ging ich zum Neurologen vor Ort. Auf dem letzten Drücker bekam ich einen Termin am gleichen Tag. Nach ca. 10 Minuten stand die Diagnose fest: Trigeminus Neuralgie (TN). Er klärte mich auf, dass dagegen kein normales Schmerzmittel hilft, außer das Antiepileptika Carbamazepin. Er verschrieb mir die Anfangsdosis (200)(0)(400) und die Schmerzen verschwanden.

Ausgelöst durch eigenständige Versuche, das Medikament wieder zu reduzieren, musste ich letztlich die Dosis auf (300)(0)(600) erhöhen. Die Situation verschlechterte sich weiter durch einen weiteren Auslandsaufenthalt im Herbst 2011, der länger dauerte als geplant und mir dadurch das Medikament ausging. Das Ergebnis war, dass die Dosis auf (400)(0)(800) erhöht werden mußte.
Mit der Zeit machten sich die Nebenwirkungen des Medikaments massiv bemerkbar. Besonders auffällig das Einschlafen bei jeder Gelegenheit und kurzzeitige Zuckung bei starker Anspannungen der Muskeln, z.B. beim heben und fixieren von Teilen.

Ich erhielt von Kollegen und Freunden viele Hinweise: Osteopathie, Akupunktur, Globuli, Physiotherapeuten jeder Art. Im zusammenwirken von Kieferorthopäden und Physiotherapeuten bekam ich eine Spange. Auch hier versteifte sich die Therapeutin nach der Erstuntersuchung zur Behauptung: „Sie haben nicht TN sondern eine massive Kieferentzündung!“

Nach einem Jahr tragen der Spange stellte sich jedoch keine Besserung ein. Auch hier fragte ich die Physiotherapeutin worin nun der Fortschritt bestehe? Ich konnte keinen feststellen. Sie veranlasste bei einem MRT-Spezialisten für Kieferaufnahmen ein MRT. Das Ergebnis war, dass die Kieferstellung noch verbessert werden kann.

Der MRT-Spezialist sah jedoch das Hauptproblem für meine Trigeminusschmerzen in der Schlaufe der Arterie die zum Hirn führt. Er empfahl eine Weiterbehandlung bei einem Neurochirurgen. Trotzdem setzte der behandelnde Kieferorthopäde alle Hebel in Bewegung, um mir eine neue Spange zu verkaufen. Der Leidensdruck war groß genug: Er schaffte es!

Zwischenzeitlich verschaffte mir mein jüngster Sohn einen direkten Draht zu einem Neurochirurgen. Auf den mitgebrachten MRT-Bildern zeigte er mir die Schlaufe der Arterie, die den Trigeminusnerv kreuzt. Durch die ständige Bewegung der Arterie wird die Isolierschicht des Nervs durchgescheuert und führt zu den Schmerzattacken, wie ich sie zu genüge kannte.

Er empfahl eine OP nach Janetta Der Arzt diskutierte mit mir offen auch die Risiken. Ich schob meine Entscheidung noch auf, zumal mein Neurologe mir ebenfalls von diesem Schritt abriet. Ich holte mir eine Zweitmeinung an der Uni Würzburg ein. Die Ärzt dort rieten mir zur OP nach Janetta. In meinem Alter und meiner konstitutionellen Verfassung sahen sie in der langen OP ebenfalls kein Problem.
Nun entschied ich mich für die OP, trotz der vermeintlichne Hilfe durch die Spange und allen Versprechungen davor. Den Eingriff ließ ich an der Kopfklinik der Uni Heidelberg durchführen. Ich begab mich in die Hände von Herrn Dr. Karsten Geletneky.

Die Operation war ein voller Erfolg: der Trigeminusschmerz war verschwunden! Mein erstes Brötchen nach der OP konnte ich auf beiden Seiten kauen, ohne irgend einen Schmerz! Meine freie Rede war mir wieder zurückgegeben! Ich war wie neu geboren!

Ich kann nur jedem raten der von diesen besonderen „Zahnschmerzen“ geplagt wird sich nicht auf die leeren Versprechungen der „Wunderheiler“ einzulassen, sondern nach der Ursache zu suchen. Dazu bedarf es eines aussagefähiges MRT vom Kopf. Die Ursache muss man beseitigen und nicht an den Symptomen herumdoktern.

Fünf Wochen nach der erfolgreichen Operation werde ich beginnen das Schmerzmittel Camarzebin abzufahren. Dies dauert noch 3 Monate um dann sicher sagen zu können, dass die Schmerzattacken gepannt sind.

Nach meiner leidvollen Erfahrung, dann ich nur empfehlen, zweite Meinung einholen. Ein MRT des Kopfes machen lassen, speziell auf Trigeminus Neuralgie. Auch das Alter ist nicht unbedingt ein Hindernis für eine OP nach Janetta!

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Eine Antwort auf Helmuth Lechner

  1. Helmuth Lechner sagt:

    Ergänzung zu meinem Beitrag vom 22.7.14
    Ich habe das Antiepileptikum KAMARZEPIN nach dem Plan meines Neurologen ausgefahren. Dieser Vorgang war am 30.9.2014 abgeschlossen. Wie es aussieht war die OP nach Janetta ein voller Erfolg. Ich habe keine Schmerzattacken mehr erlebt. Ich fühle mich wie neu geboren.

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